Die Trisolaris-Trilogie

Die sogenannte Hard Science Fiction, solche Science-Fiction-Geschichten also, die möglichst nah entlang naturwissenschaftlicher Gesetze zu schreiben versucht werden, können durchaus auch anstrengend sein – insbesondere dann, wenn technische und physikalische Ausführungen in einem eher dozierenden Stil vorgetragen werden. Dies gilt nicht für „Die drei Sonnen“ (2006) und die beiden Folgeromane „Der dunkle Wald“ (2008) und „Jenseits der Zeit“ (2010), die gemeinsam als die Trisolaris-Trilogie bezeichnet werden. In den drei Romanen gelingt es dem chinesischen Autoren Liu Cixin mühelos, Jahre und Lichtjahre und Distanzen zu überwinden, ohne dass einem schwindelig vor Unverständnis wird. Schwindlig wird einem allerdings sehr wohl – auf Grund der turbulenten Geschichte, die letztlich eine Geschichte des gesamten Universums ist. Und eine Geschichte Chinas. Und eine Geschichte der Welt der Gegenwart.

Worum geht es konkret (ohne zu viel zu verraten)? Die Menschheit gerät in Kontakt mit eine außerirdischen Zivilisation und zunächst wird offengelassen, welches Verhältnis aus diesem Kontakt entspringt. Na ja, letztlich lässt sich das ja alles auf Wikipedia nachlesen, weshalb ich es hier nicht wiederholen muss.

Worum es mir hier mehr als um die inhaltlichen Beschreibungen geht, die überall im Netz gelesen werden können, ist die Stimmung, die das Lesen dieser Bücher (zumindest bei mir) verursachte. Denn selten habe ich surrealere Zeilen gelesen, die zwar nur einen kleinen des Buches ausmachen, dafür aber auf äußerst geschickte Weise das Problem umgehen, für Lesende ein zu genaues Bild von Außerirdischen und der Umgebung, in der sie leben, zu zeichnen und sich somit dann doch eher gegenwärtiger gesellschaftlicher Stereotype zu bedienen als die unbestimmte Phantasie anzuregen. Umgangen wird das Problem der Vorprägung hier dadurch, dass die Kommunikation zwischen beiden Spezies zunächst einmal auf spielerisch-digitale Art und Weise präsentiert wird, bei der völlig unklar ist, welchen Zweck diese Spielerei überhaupt verfolgt. Aber das ist nur ein Teil des Ganzen: In einer steten Mischung zwischen naturwissenschaftlicher Konkretheit und daraus abgeleiteter Denkspielereien (um nun erneut mit dem Wort „Spiel“ zu spielen) entfaltet sich eine Geschichte des Lebens im Universum, der Konkurrenzen, des Nichtvoneinander- und Voneinanderwissens, des Miss- und Vertrauens. Kurz: Die Geschichte ist groß, das Ende unerwartet und irgendwie auch melancholisch. Mittlerweile gibt es zahlreiche Varianten der Geschichte, eine Verfilmung ist auch geplant.

„Die drei Sonnen“ und die beiden Folgeromane sind trotz der vielen Seiten eine kurzweilige Leseangelegenheit.

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